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Ausbildungsberufe der Kommunalverwaltung

Anders als es auf den ersten Blick erscheinen mag, bieten Kommunalverwaltungen Absolventen einer Verwaltungsausbildung ein breites berufliches Einsatzspektrum. Allein ein Blick auf die einzelnen Aufgabenbereiche, denen sich eine brandenburgische Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Landkreisverwaltung widmet, lässt dies erahnen. Ebenso weit gefächert gestaltet sich die Berufsausbildung in diesem Bereich: Angestellte der Kommunalverwaltungen werden als Generalisten ausgebildet.

 

Wer in Brandenburg im Bereich der Kommunalverwaltungen arbeiten möchte, für den erschließt sich dieser Weg in der Regel über eine dreijährige Berufsausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Dazu ist es zunächst erforderlich, sich auf eine entsprechende Stellenausschreibung einer Kommunalverwaltung in Brandenburg zu bewerben. Begleitend zu den praktischen Ausbildungsinhalten in der jeweiligen Verwaltung wird das theoretische Wissen sowohl in einer Berufsschule, als auch am Niederlausitzer Studieninstitut für kommunale Verwaltung (NLSI) gelehrt. Schriftliche und mündliche Prüfungen erfolgen ebenfalls beim NLSI. 

 

Berufsausbildung Verwaltungsfachangestellte(r)

Die Berufsausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beinhaltet ein breites Feld an Ausbildungsinhalten. Hierzu zählen Rechtsfächer wie beispielsweise Allgemeines Verwaltungsrecht, Kommunalrecht oder Personalwesen, finanzwirtschaftliche Lehrfächer wie zum Beispiel Haushaltswesen oder Rechnungswesen, sowie Bereiche, die der internen Verwaltungsorganisation gewidmet sind, wie beispielsweise Arbeitsorganisation oder Kommunikation. Die Berufsausbildung dauert drei Jahre. Sowohl eine Zwischen- als auch eine Abschlussprüfung sind zu absolvieren, wobei sich letzte in vier schrifliche Prüfungsleistungen (Klausuren) und eine fachpraktische Prüfung gliedert.

Spätere Einsatzmöglichkeiten ergeben sich in allen Bereichen, in denen Sachbearbeiter für die Erledigung von Verwaltungsaufgaben benötigt werden. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung spricht man hier vom "mittleren Verwaltungsdienst". Das können beispielsweise sein:

  • Sachbearbeiter in einem Bürgerbüro: z.B. An- oder Abmeldung des Wohnsitzes / die Adressänderung auf dem Personalausweis
  • Mitarbeiter des Ordnungsamtes: z.B. Bearbeitung eines Verfahrens wegen Falschparkens
  • Sachbearbeiter im Sozialamt: z.B. Bearbeitung von Anträgen auf Hilfe zum Lebensunterhalt

Möglich ist ebenso der Einsatz im Bereich von Querschnittsaufgaben:

  • Sachbearbeiter im Personalamt: z.B. Lohnbuchhaltung
  • Finanzabteilung: z.B. Mitarbeit bei der Aufstellung des Haushaltsplanentwurfs
  • Organisationsabteilung: z.B. zentrale Beschaffung von Büromaterialien
  • Mitarbeiter Büro der Stadtverordnetenversammlung: z.B. Terminkoordination von Sitzungen, Protokollführung etc.

Auf Grund ihrer generalistischen Ausbildung können Verwaltungsfachangestellte aber auch in weniger typischen Bereichen der Kommunalverwaltungen eingesetzt werden:

  • Sachbearbeiter in einer Volkshochschule: z.B. Bearbeitung von Kursanmeldungen
  • Servicekraft einer städischen Tourist-Information: z.B. Vermittlung von Unterkünften
  • Mitarbeiter in der kommunalen Wirtschaftsförderung: z.B. Mitarbeit bei Stadtmarketingkampagnen

 

für berufliche Quereinsteiger: Angestelltenlehrgang I

Wer bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung - beispielsweise im kaufmännischen Bereich - besitzt und sich auf eine Stelle in einer Kommunalverwaltung beworben hat, der wird in der Regel von seiner Verwaltung verpflichtet, einen Angestelltenlehrgang I zu besuchen, um die für die Praxis erforderlichen theoretischen Grundlagen zu erwerben. Dass sich diese deutlich von denen in der Priwatwirtschaft geforderten unterscheiden, macht allein ein Blick auf die unterschiedlichen Zielsysteme deutlich: Während sich in der Privatwirtschaft alle Unternehmensziele an der Erwirtschaftung von Gewinnen orientieren, gestaltet sich das Zielsystem in der öffentlichen Verwaltung ungleich schwieriger: So muss das Verwaltungshandeln unter anderem gesetzmäßig, transparent, bürgernah und wirtschaftlich sein.

Die Inhalte dieses Lehrganges liegen in etwa knapp unter denen der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Die Abschlussprüfung gliedert sich ebenfalls in vier schriftliche Prüfungsleistungen (Klausuren) und eine fachpraktische Prüfung.

Je nach Planungsform dauert ein Kurs 18 bis 24 Monate. Möglich sind dabei ein berufsbegleitendes Modell, bei dem der Unterricht freitags und samstags stattfindet, sowie ein dienstbegleitendes Modell, bei dem eine Woche pro Monat während der Dienstzeiten unterrichtet wird.

Der Angestelltenlehrgang I genügt grundsätzlich, um in den Kommunalverwaltungen im Bereich des "mittleren Verwaltungsdienstes" (Sachbearbeiterebene) eingesetzt zu werden. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Lehrgang, nicht um eine nach dem Berufsbildungsgesetz anerkannte vollständige Berufsausbildung. Wer seine Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erhöhen will, kann diesen jedoch über den sechsmonatigen Brückenlehrgang zum Verwaltungsfachangestellten erwerben.

 

Verwaltungsfachwirt

Ähnlich wie bei Handwerksberufen, bei denen der Meistergrad dem des Gesellen folgt, hat man mit der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten noch nicht die letzte Stufe der Qualifikation erreicht. So können sich Verwaltungsfachangestellte (aber auch Absolventen eines Angestelltenlehrganges I) zum Verwaltungsfachwirt weiterqualifizieren.

Der Forbildungslehrgang beinhaltet zum einen die Vertiefung der bei der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bzw. Angestelltenlehrgang I erworbenen rechtlichen und finanzwirtschaftlichen Inhalte. Zum anderen werden Themen aus den Bereichen Organisation, Personalwirtschaft, Information und Kommunikation behandelt. Ziel dabei ist, die Verwaltungsfachwirte gezielt auf höherwertige Tätigkeiten in den Verwaltungen vorzubereiten. Die Prüfung gliedert sich in fünf schriftliche Prüfungsleistungen (Klausuren) und eine fachpraktische Prüfung. 

Der zu bewältigende Stundenumfang beträgt insgesamt 893 Unterrichtseinheiten (á 45 Minuten). Je nach Planungsform dauert ein Kurs 3 bis ca. 4 Jahre. Möglich sind dabei ein berufsbegleitendes Modell, bei dem der Unterricht freitags und samstags stattfindet, sowie ein dienstbegleitendes Modell, bei dem eine Woche pro Monat während der Dienstzeiten unterrichtet wird.

Die Einsatzgebiete eines Verwaltungsfachwirts bewegen sich in etwa im Bereich der Ebene der Sachgebietsleitung bis hin zum Abteilungsleiter, unter Umständen auch zum Amtsleiter (vergleichbar mit dem gehobenen Verwaltungsdienst der Beamtenlaufbahnen). Wer später einmal ein kommunalpolitisches Amt anstrebt, für den erhöhen sich die beruflichen Chancen mit einem erfolgreichen Abschluss als Verwaltungsfachwirt ebenfalls.

Wer nach erfolgreichem Abschluss des Verwaltungsfachwirt-Lehrgangs eine akademische Laufbahn anstrebt, für den bietet sich die Möglichkeit, in nur 2 Jahren berufsbegleitend einen Bachelor-Abschluss zu erlangen. Weitere Infos: hier.

 

Kaufmann für Büromanagement, Bereich öffentliche Verwaltung

Dieser Ausbildungsberuf ist noch recht jung. Er enstammt eigentlich der Priwatwirtschaft und vereint die Berufe "Bürokaufmann", "Kaufmann für Bürokommunikation" und "Fachangestellter für Bürokommunikation". Für die öffentliche Verwaltung wurden ein paar Modifikationen vorgenommen, letztendlich bietet er Absolventen aber die gleichen Chancen, sowohl in der Privatwirtschaft als auch in der öffentlichen Verwaltung.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Gelehrt werden kaufmännische Inhalte, wie beispielsweise bürowirtschaftliche Abläufe oder kaufmännische Steuerung und Kontrolle. Zusätzlich werden Wahlqualifikationen angeboten, die der jeweiligen Verwaltung die Möglichkeit gibt, bei der Qualifizierung des Auszubildenden gewisse Schwerpunkte zu setzen: im Bereich der öffentlichen Verwaltung können das beispielsweise die Bereiche "Verwaltung und Recht" oder "öffentliche Finanzwirtschaft" sein. Ein dritter Schwerpunkt bilden Lernfelder mit einem übergreifenden Charakter, zu denen "Qualitätsorientierung", "Wirtschaftliches und nachhaltiges Denken und Handeln" oder "Kooperation und Teamgeist" zählen. 

Die Einsatzgebiete der Kaufleute für Büromanagement bewegen sich auf Ebene der Sachbearbeiter. Dort werden sie in Bereichen eingesetzt, in denen es weniger um die Anwendung von Rechtsnormen geht (z.B. Prüfung eines Antrags auf Sozialhilfe), sondern eher organisatorische oder kaufmännische Fertigkeiten gefragt sind.

Die Besonderheit an dieser Ausbildung ist, dass hiermit ein Ausbildungsberuf geschaffen wurde, der sowohl für eine Tätigkeit in der Privatwirtschaft als auch in der öffentlichen Verwaltung befähigt.

 

Die fachpraktische Prüfung

Neben Klausuren gilt es am Ende der der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, des Angestelltenlehrganges I oder des Lehrganges zum Verwaltungsfachwirt eine fachpraktische Prüfung zu bestehen. In dieser Prüfung wird eine typische Arbeitssituation in einer Kommunalverwaltung simuliert und entsprechend bewertet. Das nachfolgende Video gibt einen kurzen Einblick in ein derartiges Prüfungsgespräch.